Gedankenzimmer

Es gibt Menschen, die sich sehr ähnlich sehen und doch nicht miteinander verwandt sind. Den einen kennst du persönlich, den anderen nicht. Du siehst ihn vielleicht in einer Ilustrierten oder im TV. Aber wenn du ihn siehst, bemerkst du immer wieder die Ähnlichkeit mit der dir bekannten Person. Und die magst du einfach nicht. Kennt ihr das Gefühl auch, dass ihr den unbekannten Menschen dann ebenfalls unangenehm findet? Mag ein bisschen kompliziert klingen, aber mir ist das schon passiert. So ist es doch auch bei der Namensgebung unserer Kinder. Wir würden doch niemals unseren Kindern den Namen einer uns nicht gemochten Person geben. Das Hirn hat höchstwahrscheinlich ein abgedunkeltes farbloses Zimmer, in dem es die unangenehmen Dinge stapelt. Und nach Bedarf zieht es uns in dieses Zimmer hinein. Es gibt da z.B. eine Stadt, in der ich mich nie wohlfühlte. Ich verbinde mit ihr eine unangenehme Zeit, die ich eigentlich schon längst vergessen habe. Aber wenn ich dennoch an dieser Stadt vorbeifahren muss oder ihren Namen höre, öffnet mein Hirn wieder dieses Zimmer und zieht mich hinein. Und steht die Tür erst mal offen, entdecken wir auch noch ganz andere Dinge, an die wir gar nicht mehr erinnert werden möchten. Ich habe jetzt genau in diesem Zimmer die Fenster geöffnet, die Sonne hereingelassen, die Wände bunt angemalt und Blumen hineingestellt. Jetzt sieht alles viel freundlicher aus und siehe da, auch die unangenehmen Gedanken lassen sich so viel schneller vertreiben. 
Meine lieben Menschen, kommt gut durch den Tag. 

„Mein Ding“

„Was ist denn dein Ding?“, wurde ich vor einigen Tagen gefragt. Die Frage hat mir noch nie jemand gestellt. Vielleicht liegt es daran, dass ich diese Person noch nicht lange genug kenne und sie mich auch nicht. Ich habe darauf geantwortet: „Um das zu erklären, was mein Ding ist, braucht es etwas Zeit.“ Die war natürlich von anderer Seite nicht gegeben und was „mein Ding“ ist, kann ich leider nicht in einem Satz beantworten. Deswegen tue ich es hier. Aber ich gehe davon aus, dass es genau diese Person nicht liest und wahrscheinlich auch nicht wirklich an meiner Antwort interessiert ist.

„Mein Ding ist es“, mich ab und zu komplett zurückzuziehen, um mich meinen eigenen Dingen widmen zu können und ich bin jedem dankbar, der das auch versteht. Meine engsten Freunde wissen das, akzeptieren es und genau aus diesem Grund sind sie meine engsten Freunde. Die anderen, die das nicht verstehen, gehören eben nicht zu meinem Leben. Das klingt für manchen vielleicht hart, aber es ist nur ehrlich. Ich bemesse meine Freundschaften nicht, wie oft wir uns sehen oder wie oft ich angerufen werde. Meine Freundschaften entstehen in meinem Herzen, da reicht manchmal auch das stumme Verstehen.

„Mein Ding ist es“, andere anzuhören, sie zu verstehen und mich selbst in deren Situation zu versetzen. Das ist eine schwierige Aufgabe, aber es lohnt sich allemal. Ich vermeide es, wenn möglich, anderen Rat-Schläge zu geben, weil eben jeder anders auf Situationen reagiert und ein anderes Umfeld hat. Werde ich direkt mit dem Satz konfrontiert: „Was würdest du tun?“, versuche ich zu erklären, dass ICH das in dieser Lage so und so machen würde, aber ich letztendlich keine Entscheidung für andere treffen kann.

„Mein Ding ist es“, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Ich möchte von mir behaupten, dass ich eine gute Menschenkenntnis habe. Ich spüre innerhalb kürzester Zeit, wenn mir jemand nicht gut tut, mein „Energiefeld“ stört. Ich höre sofort, wenn mir jemand Lügen erzählt und ich fühle ganz schnell, wenn mich jemand mit Worten bewusst, oder auch unbewusst verletzen will. Das wird niemals eine Bekanntschaft oder Freundschaft auf Dauer werden oder bleiben.

„Mein Ding ist es“, anderen Menschen gegenüber loyal zu sein, aber nur so lange, wie sie es mir gegenüber auch bleiben.

„Mein Ding ist es“, anderen alles zu gönnen, mich zu freuen, wenn es ihnen gut geht, das Gefühl von Neid ist mir völlig fremd. Meine Freunde würden das jetzt hier bestätigen. Genauso spüre ich aber recht schnell, wenn man mir etwas nicht gönnt. Ich habe dafür ein gutes Bauchgefühl.

„Mein Ding ist es“ Menschen in ihrer letzten Phase des Lebens zu begleiten. Es gibt mir ein gutes Gefühl, obwohl es ums Sterben geht. Es macht ein jedes Mal die Endlichkeit bewusst und gibt meinem Leben eine andere Richtung. Dafür bin ich sehr dankbar. Kein Mensch sollte auf dieser Welt einsam sterben müssen. Obwohl ich der Meinung bin, dass der Mensch auch in dieser Phase noch selbstbestimmt ist und entscheidet, ob er alleine gehen möchte oder nicht.

„Mein Ding ist es“ liebevoll an meine verstorbenen Eltern zu denken, von meinem Papa habe ich übrigens letzte Nacht geträumt, bzw. ich habe ihn „getroffen“ und wir hatten ein wunderbares „Gespräch“. Das stimmt mich heute fröhlich und gibt mir ein sehr gutes Gefühl für morgen, übermorgen, nächste Woche, u.s.w.

„Mein Ding ist es“ für meine Freunde da zu sein, wenn sie mich brauchen, mit ihnen zu lachen und zu weinen. Danke!

„Mein Ding ist es“ unsere beiden Hunde als vollständige Familienmitglieder zu sehen, Verantwortung für sie zu übernehmen und für sie zu sorgen. Sie geben uns so viel Liebe.

„Mein Ding ist es“ manchmal etwas „ver-rücktes“ zu tun. Mich in den Regen zu stellen, vorausgesetzt es ist Sommer, und durch Pfützen zu hüpfen. (Zurzeit geht das, bedingt durch meine Knöchelfraktur, leider noch nicht 😉

„Mein Ding ist es“ Geschichten zu erzählen, Gedichte zu schreiben, für andere Menschen Liebesbriefe, Abschiedsbriefe, Hochzeitsreden zu schreiben. Einfach zu schreiben, schreiben, schreiben.

„Mein Ding ist es“ die Sätze „Das wird schon wieder“, „Das ist doch alles halb so schlimm“, „Stell dich nicht so an“, „Anderen geht es noch schlechter“ zu vermeiden. Das sind Aussagen, die nicht wirklich helfen, die vielleicht sogar noch alles schlimmer machen können.

„Mein Ding ist es“, mich niemals über andere Menschen zu stellen, seien es Kranke, körperlich Eingeschränkte, Homosexuelle und viele mir. Spüre ich da Ungerechtigkeiten, dann werde ich zur kämpferischen Löwin!

„Mein Ding ist es“ nicht zu denken „Das kann mir nicht passieren.“

„Mein Ding ist es“ meine Familie und meine Freunde zu lieben und „mein Ding“ ist es, für alles dankbar zu sein, was ich habe und noch bekommen werde. Positiv zu denken, so oft es geht und immer noch an Wunder zu glauben.

Es war mir eine Freude, euch das zu erzählen und ich hoffe, es sind Aussagen dabei, die auch „euer Ding sind“.

Meine lieben Menschen, kommt gut durch den Tag.

 

 

 

A, B, C…

Was wäre, wenn plötzlich alle Buchstaben verschwinden würden?

Das A sprach zum B und das B zum C: „Alle werden gehen und das tut so weh.“ Das D und E und das F und das H, schrien sich an: „Das ist nicht wahr!“ Das I, J, K, L, das M und das O, fragten sich leise: „Wo sind sie nur, wo?“ Das P, das Q und das R, S, T, U, fanden ab dann nun auch keine Ruh‘.

Auch die restlichen vier machten sich auf die Reise und verschwunden sind die Worte auf seltsame Weise.

Lasst uns immer miteinander reden, die Sprache zwischen Menschen ist so wichtig.

Ich wünsche euch allen einen guten Wochenstart mit guten Gesprächen. ❤

Muttertag!

Muttertag, hoch die Tassen, bzw. die Gläser. Packt euren Picknickkorb, gefüllt mit Leckereien und blinzelt in die Sonne. Mit oder ohne Famlie, das liegt allein an euch. Schert euch nicht um überfüllte Restaurants, an denen Familien sitzen, die sich das ganze Jahr über nicht um die Mütter kümmern. Verzichtet auf Blümchen, die an solchen Tagen meist überteuert sind und euren Kindern womöglich das letzte Taschengeld aus der Börse ziehen. Den „älteren Mamas“, die vielleicht schon gar nicht mehr wissen, dass sie Mama sind, singt etwas vor oder lest aus dem Märchenbuch, erfreut euch an schwarz/weiß Photos und streichelt Hände. Aber bitte nicht nur heute. Sagt euren kleinen Kindern, dass ihr euch über die selbstgebastelten Kärtchen freut, über die Blumen aus Papier, dass ihr das für immer und ewig in einer bunt bemalten Kiste aufbewahrt, aber dass dieser eine Tag im Jahr niemanden dazu zwingt gerade dann etwas für die Mamas zu tun.

Seid einfach dankbar, dass ihr euch habt, gerade auch an all den anderen Tagen. ❤

Nichtstun

Ich hänge seit heute Morgen nur  rum. Nicht, dass ich durchhänge, aber mir ist alles egal. Schon kurz nach dem Aufstehen wird mir klar, dass ich schnell in die Jogginghose hüpfe, mein viel zu großes T-Shirt anziehe, Zähne putze, mir einmal durch die Haare streiche und mich mit meinem Kaffee auf dem Sofa niederlasse. Bloß nicht bewegen und bloß keine Antwort geben müssen. Welt, mach du heute was du willst, aber lass mich in Ruhe. Es braucht mich auch niemand anzurufen, ich bin nicht da. Die Sonne scheint, dann fängt es an zu regnen, dann scheint die Sonne wieder, aber es kümmert mich nicht. Ich habe eine „UK Radio App“ und höre die geilste Mucke der Welt. Aus der Ferne klappern Töpfe, Schranktüren gehen auf und zu,  es muss wohl Mittag sein. Ich denke, es wird gekocht. Aber ohne mich. Ich nehme sehr gerne ein Tellerchen, stellt es hier ab, dann komme ich wieder alleine zurecht.  Ich räume keinen Tisch ab, stelle nichts in die Spülmaschine, ich frage nicht, ob jemand ein Stück Kuchen mag und schon gar nicht, ob es irgend etwas Neues gibt. Heute gibt es keine Antworten von mir, tut einfach so, als sei ich nicht da. Ich wackele mit den Zehen, atme ruhig und lächele. Mittlerweile ist es Abend geworden und ich war den ganzen Tag so faul und glücklich. Ach, beinahe hätte ich noch etwas vergessen. Mein bester Ehemann stellt mir ein Gläschen Prosecco auf den Tisch mit den Worten: „Ich bin schon wieder weg.“ Ich rufe „danke“ hinterher und lehne mich wieder zufrieden zurück.

Solche Tage müssen sein, ohne Stress und vor allem ohne schlechtes Gewissen. Das wollte ich euch noch schnell mitteilen. Schönen Abend!

Mama

Heute vor 12 Jahren habe ich zum letzten Mal deine Hand gehalten. Es war viel zu früh. Ich werde unseren letzten Augenblick nie vergessen. Er war schön. Mein letztes Geschenk von mir an dich, dass du zu Hause sterben konntest, was auch immer dein Wunsch war. Dein letztes Geschenk an mich, dass du mich gerufen hast, um mir zu sagen, dass du jetzt gehst. Obwohl du gar nicht mehr sprechen konntest, schon zwei Tage nicht mehr ansprechbar warst, obwohl ein Stockwerk dazwischen lag, habe ich dein Rufen gehört. Danke Mama, dass wir die Zeit hatten uns zu verabschieden, danke Mama, für all das, was du mir mit auf den Weg gegeben hast. Ich werde dir immer ähnlicher, nicht nur vom Äußeren und dafür danke ich dir besonders. Du warst eine großartige , tapfere und mutige Frau. Du wirst immer in unseren Herzen sein und ich danke dir, dass du mir hin und wieder das Gefühl gibst, dass du da bist, mich umarmst und mir ins Ohr flüssterst: „Mach weiter, alles wird gut!“

Ja, Mama, das wird es. ❤