Dankbarkeit

Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Alltag meine Sinne verklebt. Der Kopf fühlt sich an wie ein überlaufender Mülleimer und muss dringend geleert werden. Das habe ich jetzt getan. Ich fühle mich frei und erleichtert. Vor ein paar Tagen bin ich morgens wach geworden und habe mir überlegt, ob ich glücklich bin. Meine Antwort lautet: „Ja, ich bin glücklich!“Und dafür gibt es nur ein Wort, nämlich Dankbarkeit! Ich habe mir die Zeit und ein großes Blatt Papier genommen, um aufzuschreiben, für was ich alles dankbar sein kann. Nachdem das Blatt Papier von zwei Seiten beschrieben war, musste ich mir noch ein weiteres holen und noch eins, und noch eins. Und so ging es immer weiter. Mir wurde zum ersten mal bewusst, für was ich alles dankbar sein kann. Wir reden so oft von Dingen, die wir nicht haben und sehen schon gar nicht mehr, was wir alles besitzen. Ich stehe jeden Morgen auf, gehe in mein Bad, dusche, benutze Duschgel, meine Zahnbürste, Zahnpasta. Greife ganz selbstverständlich zum Föhn, um meine Haare zu trocknen. Stehe vor meinem Kleiderschrank, habe die Auswahl, was ich an diesem und jedem anderen Tag tragen möchte. Ich öffne einen gefüllten Kühlschrank, koche Kaffee, schneide mir eine Scheibe Brot ab, bestreiche es mit Butter und habe noch viele andere Möglichkeiten, mit was ich es belegen will. Mit einer Selbstverständlichkeit steige ich in mein Auto und kehre in mein eigenes Haus zurück. Sitze im Garten, trinke, wann immer ich Durst habe. Greife zu meinem Handy oder sitze bequem in meinem Sessel und überlege, welches ich von den vielen Programmen in meinem Fernseher anschauen will. So könnte ich endlos Dinge aufzählen, die sich in unseren Alltag schleichen und die wir schon gar nicht mehr bewusst bemerken. Wir regen uns darüber auf, dass es zu heiß ist, seien wir dankbar, dass die Sonne scheint und alles wachsen und gedeihen lässt. Dann schimpfen wir über den Regen. Den brauchen wir genauso wie die Sonne. Er gibt der trockenen Erde wieder Saft und die Natur kann sich erholen. Wir nörgeln ständig  über’s Älterwerden. Sollten wir nicht dankbar sein, dass wir jedes Jahr unseren Geburtstag erleben dürfen? Ich habe tatsächlich versucht jeden negativen Gedanken in einen positiven umzukehren. Und was soll ich euch sagen, es ist mir bis jetzt gelungen. Es gibt mir ein unglaublich gutes Gefühl und ich bin so dankbar, dass ich dankbar sein kann.

Meine lieben Menschen, kommt gut durch den Tag und auch durch alle anderen.

BRAVO!

Die „BRAVO“ hat Geburtstag. Sie wird 60! Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Ich habe dieses Heftchen geliebt. Über Wochen schnippelte ich mir den Starschnitt zurecht, um ihn dann endlich zusammenzukleben. Von meinem Taschengeld musste immer so viel übrig bleiben, dass es für die BRAVO reichte. Bei Treffen mit meinen Freundinnen steckten wir die Köpfe zusammen und diskutierten über Dr. Sommer. Das waren für unIMG_4232s immer die interessantesten Themen. „Werde ich vom Küssen schwanger?“ Was musste sich dieser Dr. Sommer so alles anhören bzw. lesen. Seine Antworten waren dennoch sehr entscheidend und ließen so manches Mädchen oder Jungen aufatmen. Die BRAVO war zu meiner Zeit (70er) sehr freizügig. Die nackten Jungen und Mädchen wurden beäugt und ab und an auch mit dem eigenen Körper verglichen. Und wehe, da war eine abgebildet, die schon mehr Oberweite hatte. Das gab dann beim nächsten Treffen mit den Freundinnen den ersten und wichtigsten Diskussionspunkt. Und nun gebe ich auch noch zu, dass ich für Christian Anders geschwärmt habe. Ich kann es schon nicht mehr zählen, wie oft der „Zug nach Nirgendwo“ durch mein Zimmer fuhr. Bei der „Letzte Tanz“ saßen meine Freundin und ich vor dem Kassettenrekorder und vergossen Tränen. Warum musste verdammt noch mal dieses Mädchen nach dem letzten Tanz überfahren werden? Es hätte doch alles so schön werden können. Wir amüsieren uns noch heute darüber. Jedes Foto von Christian Anders, und war es auch noch so klein, hing an meinen Wänden. Knapp daneben The Sweet, T-Rex, David Bowie, Led Zeppelin und nicht zu vergessen immer wieder die Beatles. Konträrer hätten meine Wände gar nicht aussehen können. Die BRAVO hat Jahrzehnte überlebt. Auch meine Tochter hat so manches Mal hineingeschaut. Für sie war sie aber schon lange nicht mehr so interessant wie für mich. Und tatsächlich habe ich beim Aufräumen vor einigen Tagen noch drei alte Exemplare gefunden. Da war die Freude groß. Ich werde sie in Ehren halten und mich gerne an alte Zeiten zurückerinnern. Schön war’s.

BRAVO, herzlichen Glückwunsch und einen extra Gruß an Dr. Sommer (+), wo immer er auch ist.

Dialog: Er/Sie oder Georg/Marianne

Sie: „Wann gehst du eigentlich einkaufen?“

Er: „Gleich.“

Sie: „Das sagst du schon seit einer Stunde.“

Er: „Ich geh ja gleich.“

Sie: „Du könntest mir noch Slipeinlagen mitbringen.“

Er: „Wie bitte?“

Sie: „Slipeinlagen, du weißt doch was Slipeinlagen sind.“

Er: „Schrei doch nicht so, das Fenster steht offen.“

Sie: „Ich schrei doch nicht.“

Er: „Muss das sein?“

Sie: „Was?“

Er: „Na das mit den Slipeinlagen. Ich weiß ja gar nicht wo die liegen.“

Sie: „Ich erkläre dir das. Stell dich nicht so an.“

Er: „Aber das ist doch Frauensache. Ich schicke dich ja auch nicht zum Werkzeug kaufen.“

Sie: „Könntest du aber. Ich bringe dir jedes Werkzeug, das du brauchst.“

Er.: Kannst du das mit den Slipeinlagen nicht selbst machen?“

Sie: „Sag mal, genierst du dich?“

Er: „Ich doch nicht. Ich bin ein ganzer Mann!“

Sie: „Also, dann dürftest du keine Probleme mit den Slipeinlagen haben.“

Georg geht zum Einkaufen und kommt nach einer Stunde zurück.

Sie: „Und, hast du alles?“

Er: „Fast alles.“

Sie: „Auch die Slipeinlagen?“

Er: „Die waren vergriffen.“

Schrei dich frei!

 

Es werden doch tatsächlich Seminare angeboten, bei denen man das Schreien lernt. Ich dachte eigentlich, dass ich das mittlerweile kann. Meine Mutter sagte früher immer zu mir: „Schrei mich bitte nicht so an.“ Dabei war das gar kein Schreien. Das war eher ein Aufbäumen gegen irgendwelche Regeln. Jedenfalls soll Schreien befreien. Ich durchlebe momentan eine Phase in meinem Leben, in der ich jeden Tag schreien könnte. Aber irgendwie fehlt es mir an Kraft einfach loszubrüllen. Mein lieber Mann gab mir den Rat, dafür in den Wald zu gehen.

Nach einer kurzen Überlegung kam ich zu dem Entschluss, dass es einen Versuch allemal wert sei. Ich rief zu Hause in die Runde: „Ich gehe in den Wald zum Schreien.“Richtig verstanden hat das dann keiner. War doch der Rat von meinem Mann eher als Späßchen gemeint.

Ich fuhr also etwa 20 km von meinem Wohnort entfernt in einen wunderschönen Wald. Es war früh am Morgen und die Luft noch ganz klar. Ich hielt an einem Feldweg und marschierte los. Nachdem ich einen geeigneten Platz gefunden hatte, schaute ich mich verstohlen um, ob ich auch wirklich alleine war. Ich stemmte die Hände in die Hüften, holte ganz tief Luft und begann zu schreien. Zuerst war es ein zaghaftes Schreien, das sich zu einer riesigen Welle aufbäumte. Ich schrie aus Leibeskräften! Die Vögel in den Baumwipfeln flatterten erschrocken davon. Ich schrie so lange, bis ich keine Luft mehr hatte. Dann kam eine kleine Phase der Erschöpfung, aus der ich mich sehr schnell erholte. Ich begann von Neuem zu Schreien. Ich schrie alle Wut, Trauer und Enttäuschung aus mir heraus. Ich schrie nach meiner Mama, nach Gerechtigkeit und Verständnis. Ich schrie und schrie und schrie. Dann lief ich den Weg zu meinem Auto langsam zurück und atmete die frische Luft des Morgens ein. Das Schreien befreite in der Tat, aber es hielt nicht sehr lange an.

Das Leben besteht eben aus verschiedenen Schreiphasen. So kommen wir doch schon schreiend zur Welt. Damit wollen wir sagen: „Hier bin ich, heißt mich willkommen.“ Mein Schreien im Wald bedeutete auch: „Hier bin ich, versteht mich endlich und hört mir verdammt nochmal zu.“

Meine lieben Menschen, auf ein gutes Schreien!😉

Dialog: Klara und Luisa

Klara: „Hallo Luisa, schön dich zu sehen. Wie geht es dir?“

Luisa: „Wunderbar.“

Klara: „Na, das hört sich aber perfekt an.“

Luisa: „Ist es auch.“

Klara: „Darf ich fragen, was denn so wunderbar ist?“

Luisa: „Ich bin verliebt.“

Klara: „Was bist du? Verliebt?

Luisa: „Das ist doch nichts Ungewöhnliches.

Klara: „Kenne ich ihn?“

Luisa: „Nein.“

Klara: „Bist du ihm zufällig begegnet?“

Luisa: „Es gibt keine Zufälle. Das ist Bestimmung.“

Klara: „Hm…“

Luisa: „Er ist einfach traumhaft.

Klara: „Wie sieht er aus?“

Luisa: „Groß, schlank, schwarze Locken blaue Augen.“

Klara: „Du scheinst ja wirklich sehr verliebt zu sein.“

Luisa: „Sag ich doch.“

Klara: „Und wie geht es jetzt weiter?“

Luisa: „Keine Ahnung. Vielleicht wandern wir aus.“

Klara: „Das ist doch Blödsinn.“

Luisa: „Nein, das ist es nicht.“

Klara: „Überlege es dir gut.“

Luisa: „Das habe ich schon. Egal wohin er geht, ich werde ihm folgen.“

Klara: „Du würdest hier alles aufgeben.“

Luisa: „Ja, das würde ich.“

Klara: „Ist er in dich genauso verliebt?“

Luisa: „Aber natürlich, zweifelt du etwa daran?“

Klara: „Ich kann es nicht beurteilen. Ich kenne ihn nicht.“

Luisa.“ Du wirst ihn irgendwann kennenlernen und genauso begeistert sein.“

Klara: „Sag mal, Luisa. Was sagt eigentlich dein Mann dazu?“

Löschen!

 

Meine lieben Menschen, manchmal tut es gut, nicht nur Schubladen und Schränke zu entrümpeln, sondern auch den Speicher des Telefons zu durchforsten. Sich jeden einzelnen Posten zu betrachten und den Namen jeder Nummer zu beäugen.

Ich sitze dann ganz still da und betrachte mir die Einträge mit Bedacht.

Wann hatte ich mit dieser Person zum letzten Mal Kontakt? Wann habe ich sie zum letzten Mal angerufen und wann sie mich? Was gibt sie mir, was kann ich ihr überhaupt noch geben? Kommt man dann zu der Erkenntnis, dass da nichts mehr ist, bleibt nur eins, löschen!

Genau das habe ich getan. Und nicht nur eine Nummer. Es ist befreiend und zugleich mit ein bisschen Wehmut verbunden. Irgend etwas hat uns ja zusammengeführt, der Mensch hat mir jedenfalls so viel bedeutet, dass ich mir die Nummer notiert habe.

Groll gibt es trotzdem keinen. Ganz im Gegenteil. Schön war’s. Jetzt ist es eben vorbei. Dafür gibt es wieder Nummern, die schon durch manches Handy gewandert sind. Gespeichert nicht nur dort, sondern auch in meinem Kopf und in meinem Herzen. Hin und wieder kommt sogar eine neue Nummer dazu. Freie Speicherkapazitäten im Handy bedeutet Platz für Neues. Wer weiß? Vielleicht für Größeres, Besseres, auf jeden Fall für Anderes.

Dialog: Emmchen und Antonia

 

Antonina: „Also du gefällst mir gar nicht.“

Emmchen: „Ich gefalle mir zurzeit selbst nicht. Bin so müde und kraftlos.

Antonia: „Du musst in Kur.“

Emmchen: „Nein, danke. Das ist nichts für mich.“

Antonia: „Warst du schon einmal in Kur?“

Emmchen: „Nö, aber ich will auch nicht.“

Antonia: „Glaub mir, das ist eine ganz feine Sache. Du kommst mit Gleichgesinnten zusammen und …“

Emmchen: „Und genau das ist es, was ich nicht will.“

Antonia: „Ach was. Da hast du Therapie, sogar in der Gruppe…“

Emmchen: „Hör auf, das geht gar nicht. Ich brauche nur meine Ruhe.“

Antonia: „Es gibt auch Einzelgespräche und vor allem Sport.“

Emmchen: „Ich hasse Sport. Ich brauche nur Ruhe.“

Antonia: „Da geht man spazieren, es gibt Entspannungsübungen, Massage…“

Emmchen: „I c h  w i l l  n i c h t  i n  K u r!“

Antonia: „Du stellst dich mal an. Jeden Morgen Wassergymnastik, unter Anleitung! Und dann diese Kurschatten. Herrlich.“

Emmchen: „Ich bin nicht der Schwimmnudeltyp und schon gar nicht der Pezziballhocker. Und bleibe mir mit deinen Kurschatten vom Hals. Ich brauche nur Ruhe.“

Antonia: „Da kannst du eine Diät machen. Du willst doch schon die ganze Zeit abnehmen. Jetzt sei doch nicht so stur.“

Emmchen: „Nochmal zum Mitschreiben, ich möchte keine Kur, ich brauche nur Ruhe.“

Antonia: „ Du glaubt doch nicht allen Ernstes, dass du zu Hause Ruhe findest. Da wirst du doch ständig gefordert. Jeder will was von dir. In der Kur bist du weit weg. Da kannst du die Zeit für dich genießen. Tzzz, ich versteh dich nicht. Du gehst abends aus, unterhältst dich nett. Ach so eine Kur ist etwas Wunderbares. Du musst es tun.“

Emmchen: „Sag mal Antonia, warst du eigentlich schon mal in Kur?

Antonia: „Nö, ich will auch nicht.“